Seit über 50 Jahren versetzen die eingereichten Werke der Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Jurys von „jugend creativ“ in Staunen. Die Perspektiven der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf die Wettbewerbsthemen sind vielfältig, mutig und oft überraschend. In der langen Tradition des internationalen Jugendwettbewerbs „jugend creativ“ bleiben uns viele, junge Talente in Erinnerung. Eine von ihnen ist die Künstlerin Ella Maria Groß. Bereits dreimal erhielt sie den Bundespreis und letztlich schaffte es ihr Werk „Erfindungen verändern unser Leben – und erfinden es neu“ im Jahr 2018 sogar international auf den ersten Platz. Wir haben mit Ella über ihre Erfahrungen bei „jugend creativ“ gesprochen und wohin ihre Reise als Künstlerin seit ihrer letzten Teilnahme gegangen ist.

Künstlerin und Mehrfachgewinnerin bei „jugend creativ“ Ella Maria Groß

jugend creativ: Ella, kannst du dich noch daran erinnern, wie du zur ersten Teilnahme gekommen bist?

Ella Maria Groß: Meine Schwester war damals begeisterte Reiterin und nahm an Wettbewerben teil. Sportwettbewerbe waren natürlich allgegenwärtig. Ich habe mich dann gefragt, ob es sowas nicht auch für den Bereich Kunst geben könnte. Das war 2010. Durch meine Mutter erfuhr ich dann vom Kreativwettbewerb „jugend creativ“. Leider war das kein Thema an meiner Schule, sodass ich schon ein gewisses Maß an Eigeninitiative mitbringen musste. (Meine Mutter hatte mich dabei unterstützt).

jc: Du bist mehrfach in der Kategorie Bildgestaltung bundesweit auf dem 1. Platz gelandet. 2018 hast du sogar international mit deinem Bild „Erfindungen verändern unser Leben – und erfinden es neu“ gewonnen. Wie bist du damals auf die Idee zu deinem Beitrag gekommen?

Ella: Im Detail kann ich mich nicht mehr genau daran erinnern. Mich hatte damals das Thema Kryokonservierung (Unter Kryokonservierung versteht man das Aufbewahren von Gewebe oder Zellen durch Einfrieren in flüssigem Stickstoff, Anmerkung der Redaktion) irgendwie stark bewegt und ich fing an, mich damit näher zu beschäftigen. Für mich war der Wettbewerb eine gute Gelegenheit, mich damit auseinanderzusetzen.

jc: Als einer der Bundespreisträgerinnen warst du anschließend auch an der Bundespreisträgerakademie von „jugend creativ“. Was hast du dort erlebt und wie hat die Teilnahme deinen künstlerischen Werdegang geprägt?

Die Bundespreisträgerakademie ist eine tolle Gelegenheit Gleichgesinntekennenzulernen

Ella Maria Groß Erfindungen verändern unser Leben - und erfinden es neu
„Erfindungen verändern unser Leben – und erfinden es neu“ – Mit diesem Bild erreichte Ella Maria Groß auch international den 1. Platz

Ella: Ich fand das damals sehr interessant und anregend! Im Alltag ist man als Künstler meistens für sich alleine, vor allem als Jugendlicher. Da gibt es kaum eine größere Community. Auf der Bundespreisträgerakademie bin ich das erste Mal von so vielen anderen jungen Leuten umgeben gewesen, die alle „das gleiche“ gemacht haben wie ich. Es war eine tolle Gelegenheit Gleichgesinnte kennenzulernen. Auch heute noch bestehen einige der Freundschaften aus dieser Zeit. Aber auch inhaltlich konnte ich einiges mitnehmen. Zunächst war für mich als Malerin die Malerwerkstatt interessant. Das Besondere daran war, dass wir vollkommen frei arbeiten konnten. Doch hier war es möglich, ganz vielseitig an die Themen heranzugehen. Auch und vor allem ohne echtes Zeitlimit. Teilweise haben wir bis in den Abend hinein arbeiten können. Das heißt, hier wurde die Eigeninitiative gefördert und der Workshop durch die Begeisterung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst getragen. Für mich war aber auch die Fotografiewerkstatt sehr spannend. Hier hatte ich erste Berührungspunkte mit diesem Medium. Auch wenn es keine große Rolle für mich als Malerin spielt, ist es doch ein sehr interessantes Werkzeug für mich geworden.

jc: Wie würdest du denn deinen Stil heute beschreiben?

Ella: Das ist gar nicht leicht zu beschreiben. Wenn ich ehrlich bin – ich möchte mich auch gar nicht festlegen. Ich mache Malerei. Das steht für mich im Vordergrund, bin in meiner Arbeit aber auch gern immer anderen Medien offen, um sich selbst nicht einzuschränken.

jc: In deinem Instagramprofil sind auch digitale Werke zu sehen. Inwiefern inspirieren dich digitale Medien?

Ella: Ich setze mich momentan sehr intensiv mit digitalen 3D-Modellierungen auseinander. Hier arbeite ich ausschließlich mit einem iPad. Dazu habe ich unter anderem einen konzeptionellen Film gemacht. Der Film besteht aus über 200 Einzelzeichnungen. Man könnte also sagen, er war recht aufwendig für mich.

jc: Woher holst du dir deine Inspiration?

Versucht nicht, die Erwartungen anderer zu erfüllen

Ella: Da habe ich kein bestimmtes Vorgehen oder eine konkrete Quelle. In der Regel ist es so, dass ich ein Thema, das mich besonders interessiert auf mich wirken lasse. Das nehme ich dann mit durch meinen Alltag und schaue, was mir dazu begegnet, ob Koinzidenzen, bestimmte Erinnerungen oder Einflüsse. Ab einem bestimmten Punkt, wenn einen vielleicht all das, was einen umgibt überfordert, bildet sich dann eine konkrete Idee beziehungsweise ein konkreter Ansatz heraus und ich beginne. Abgesehen davon spielen Träume für mich eine große Rolle. So führe ich beispielsweise ein Traumtagebuch. Dabei habe ich in den letzten Jahren festgestellt, dass bestimmte Elemente regelmäßig wiederkehren. Diese verarbeite ich dann teilweise in meinen Bildern.

jc: Du studierst heute Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Weißt du schon, wohin soll deine Reise als Künstlerin gehen?

Ella: Ich möchte mich überhaupt nicht festlegen, Ich möchte für alle Medien und Einflüsse offen bleiben. Aber in Zukunft als freischaffende Künstlerin zu existieren wäre natürlich ideal.

"Hiraeth" - Aktuelles Werk von Ella Maria Gross
„Hiraeth“ – Aktuelles Werk von Ella Maria Gross

jc: In dieser Wettbewerbsrunde waren Kinder und Jugendliche unter dem Motto „Was ist schön?“ dazu aufgerufen, sich künstlerisch mit dem Thema Schönheit auseinanderzusetzen. Wie würde ein Beitrag von dir aussehen, wenn du noch einmal teilnehmen könntest?

Ella: Ich würde sicher zwei oder drei Wochen darüber nachdenken und in meinem Alltag Eindrücke sammeln. Wenn die ersten Ideen entstehen, lasse ich diese auch circa eine weitere Woche entwickeln beziehungsweisesich weiterspinnen. Ich habe in der Vergangenheit auch damit experimentiert, mich konzeptionell an ein Board zu setzen. Aber ich habe für mich festgestellt, dass die Ergebnisse, die dabei entstehen, oft zu direkt und offensichtlich werden. Deswegen lasse ich mir heute mehr Zeit.

jc: Hast du Tipps und Ratschläge für den Nachwuchs, die heutigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Internationalen Jugendwettbewerbs “jugend creativ”?

Ella: Am wichtigsten ist sicher, dass ihr bei euch selbst bleibt! Lasst euch nicht zu sehr von anderen beeinflussen und versucht nicht, die Erwartungen anderer zu erfüllen.

jc: Ella, vielen Dank für deine Zeit und weiterhin viel Erfolg auf deinem Weg, den wir aus der Ferne weiterhin begleiten werden.

Wer mehr über Ellas Arbeit erfahren möchte, der kann ihr gerne auf Instagram folgen: https://www.instagram.com/ellamariagross